Oldenburg / Bremen
Das Grunzmobil der Albert Schweitzer-Stiftung warb für vegetarische Ernährung
Oldenburg/Bremen. Derzeit tourt das „Grunzmobil“ durch den Nordwesten. Geschickt worden ist es von der der Albert Schweitzer Stiftung in Berlin. Es macht auf die negativen Seite der Massentierhaltung aufmerksam, zugleich wird um Unterschriften für eine Petition geworben und auf Fleisch-Alternativen aufmerksam gemacht. business-on.de stattete dem Aktionsfahrzeug in Oldenburg einen Besuch ab.
Von Onur Yamac
Nach einem Aufenthalt auf dem Bremer Domshof machte das aus einem Bully und einem Anhänger mit einem gewaltigen Kunststoff-Schwein auf dem Dach bestehende Gespann Station in der Oldenburger Fußgängerzone. Drücker-Atmosphäre herrschte dort am Freitag nicht.
Lehrer aus Rheine informierte vor Ort
Thorsten Stegemann ist Lehrer am Kopernikus-Gymnasium im westfälischen Rheine. Er unterstützte die Tour am Freitag und Samstag als einer von zahlreichen ehrenamtlichen Helfern und sagt, dass viele Menschen vor der Realität die Augen verschließen und für 2,99 Euro ein Hähnchen vom Discounter haben wollen. Die idyllische Verpackung habe meist aber gar nichts mehr mit der industriellen Wirklichkeit zu tun. In Oldenburg zeigte er sich am Freitag glücklich über die Resonanz. In Rheine sei Ablehnung viel größer, weil in der Stadt mit ländlich geprägtem Umland viele Menschen in der Landwirtschaft in Lohn und Brot stünden, sagte er.
Vor den Herbstferien veranstaltete der engagierte Lehrer an seiner Schule eine Projektwoche zum Thema Tierschutz und musste sich in der Folge auch kritischen Fragen der Eltern stellen, die wissen wollten, warum in seinem Unterreicht so viel über vegetarisches Essen und Massentierhaltung gesprochen wurde. Der Lehrer stellte sich darauf ein und bot in der Folge auch einen Infoabend für Eltern an, in der Stegmann Bildmaterial aus der Massentierhaltung präsentierte. Zwar sei die Resonanz überschaubar gewesen, sagt er, allerdings habe er den anwesenden Eltern hierdurch vermitteln können, was sein Anliegen gewesen sei.
Die artspezifische Haltung im Blick
Hauptberuflich bei der Albert Schweitzer Stiftung in Berlin arbeitet Carsten Halmanseder, der derzeit mit dem „Grunzmobil“ durch die Republik tourt. Halmanseder ist Leiter der Öffentlichkeitsarbeit bei der Stiftung. Zwar hört man von selbiger zwischen Weser-Ems und Hase erstaunlich wenig, jedoch hat ihr ursprünglich aus Nordrhein-Westfalen stammender Gründer einst vor dem Bundesverfassungsgericht erstritten, dass Tiere artspezifisch zu halten sind. Bis heute ein zentrales Anliegen der Stiftung, deren Sitz inzwischen Berlin ist.
Den günstigen Standort in der Oldenburger Fußgängerzone beurteilte Halmanseder am Freitag uneingeschränkt positiv. Immer wieder blieben am Freitag Passanten kurz stehen und informieren sich. Auf einer Leinwand liefen Szenen aus heimlich in Großställen gedrehten Videos mit verletzten, toten oder eingeengten Tieren.
Auf Tour durch 80 deutsche Städte
Das „Grunzmobil“ fahre insgesamt 80 deutsche Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern an, so Halmanseder. Gestartet ist die Aktion erst kürzlich am 4. Oktober in Berlin. Neben dem Bremer Domshof, wo das Aktionsmobil während des Marktes aufgestellt war, standen zwischenzeitlich u.a. auch Wolfsburg, Niedersachsens Landeshauptstadt Hannover und Salzgitter auf dem Tour-Programm.
Halmanseder sagt, dass es Aufgabe der Politik sei, Gutachten anzufordern, auf deren Grundlage Tiere artspezifisch gehalten werden könnten und diese umzusetzen. Das werde aber immer wieder verschleppt und es passiere nichts. Daher sammelt man bei der Albert Schweitzer-Stiftung derzeit für eine Petition beim Deutschen Bundestag.
„Es ist ganz einfach etwas gegen Massentierhaltung zu tun, wenn jeder bei sich selbst mit Messer und Gabel anfängt.“ (Carsten Halmanseder, Albert Schweitzer Stiftung)
„Es ist ganz einfach etwas gegen Massentierhaltung zu tun, wenn jeder bei sich selbst mit Messer und Gabel anfängt“ sagt Halmanseder. Dieser intelligente Satz spielt natürlich auf die Essgewohnheiten der Menschen an, die schnell und billig wollen und so der konventionellen Massentierhaltung Vorschub leisten.
Es gebe gute Fleisch-Alternativen, so Halmanseder: vegan oder vegetarisch. Auch der Geschmack der Alternativen werde immer besser. Er werde gelegentlich gefragt, warum man eine vegeterische Bratwurst oder ein vegetarisches Schnitzel essen solle. Darauf hatte er am Freitag eine ebenfalls adäquate Antwort: weil es schmeckt.
Auch kritische Fragen bleiben darüber hinaus aus, wenn man statt einem geschmacklosen Tofu-Block ein Produkt auf dem Teller liegen hat, welches einem Schnitzel oder einer Wurst zum Verwechseln ähnlich sieht. Es gebe inzwischen viele gute vegetarische Produkte, allerdings auch noch ein paar, bei denen man daneben greifen könne, so Halmanseder. Meist sei auch nicht das minderwertige Fleisch in den Produkten der Geschmacksträger, sondern Rauch, Gewürze oder die Zubereitungsart. Man wolle die Menschen daher mit dem Aktionsmobil und der Stiftungsarbeit auf Alternativen aufmerksam machen. Jeder Konsument stimmt schließlich auch mit seinem Einkaufswagen ab.
Der nächste Halt des "Grunzmobils" ist Bremerhaven. Danach geht es weiter nach Hamburg. Mehr Infos zum den Tour-Stopps unter diesem Link
(Red. / oy)
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