Nordsee
Offshore-Windpark Alpha Ventus ist nun komplett
Oldenburg/Düsseldorf. Die zwölfte und damit letzte Offshore-Windkraftanlage ist gestern um 7:13 Uhr im Windpark "Alpha Ventus" 45 Kilometer nördlich von Borkum in der Nordsee installiert worden.
Die reine Bauzeit für alle zwölf Windturbinen betrug nach Angaben der Deutschen Offshore-Testfeld und Infrastruktur GmbH (DOTI) sieben Monate. Damit sei "Alpha Ventus" derzeit der erste Offshore-Windpark weltweit, in dem ein Dutzend Windkraftanlagen der 5-Megawatt-Klasse zum Einsatz kämen. Sechs Turbinen laufen derzeit zur Feinjustierung bereits im Probebetrieb. Sie haben nach DOTI-Angaben bislang rund 13 Millionen Kilowattstunden Offshore-Windstrom in das deutsche Netz eingespeist. In den kommenden Wochen sollen nun die weiteren sechs Windkraftanlagen schrittweise in Betrieb gehen.
Windpark kann 50.000 Haushalte versorgen
Die Strommenge, die Deutschlands erster Offshore-Windpark künftig im Vollbetrieb jährlich produzieren soll, entspricht nach DOTI-Angaben dem Verbrauch von 50.000 Haushalten. „Mit dem Bau von Alpha Ventus" haben unsere drei Unternehmen gezeigt, dass Offshore-Windenergie in Deutschland auch unter vergleichsweise schwierigen Bedingungen technisch machbar ist. Darauf kann das gesamte Team zu Recht stolz sein“, freut sich Gesamtprojektleiter Wilfried Hube (EWE). „Die Errichtung von zwölf Windkraftanlagen der 5-Megawatt-Klasse in 45 Kilometer Entfernung von der Küste und bei Wassertiefen um 30 Meter ist ein echtes Stück Pionierarbeit und weltweit bislang einzigartig“, so Hube weiter.
Das Projekt Alpha Ventus war für EWE, Eon und Vattenfall ebenso wie für zahlreiche Auftragnehmer der sprichwörtliche "Sprung ins kalte Wasser". Zwar lagen bereits Erfahrungen aus anderen Windprojekten vor, aber den Realitätstest über die Machbarkeit von Offshore-Windkraft in Deutschland erbrachten erst die rauen Bedingungen der Nordsee. So sei der Bau von Alpha Ventus logistisch betrachtet eine beachtliche Leistung.
„Wir haben gelernt, dass die Errichtungsprozesse und die zum Einsatz kommende Logistik sehr gut aufeinander abgestimmt sein müssen, um erfolgreich bauen zu können. In diesem Punkt haben wir eine sehr steile Lernkurve durchlaufen.“ (DOTI-Geschäftsführer Oliver Funk)
Gemanagt wird das Projekt von einem rund 40-köpfigen Team aus Mitarbeitern der drei beteiligten Unternehmen EWE, E.ON und Vattenfall. Die gemeinsame Projektgesellschaft DOTI wurde im Juni 2006 gegründet. Die Investitionssumme, die EWE, E.ON und Vattenfall für den ersten Deutschen Offshore-Windpark aufwenden, beträgt 250 Millionen Euro. Zunächst kalkuliert waren 180 Millionen Euro. Das Bundesumweltministerium (BMU) hat eine Bundesförderung von 50 Millionen Euro für das als Forschungs-Windpark geführte Projekt beigesteuert.
Lernstunden statt Sternstunden auf hoher See
Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit den Errichtungsschiffen im Jahr 2008 seien die dabei gewonnenen Erkenntnisse über Material und Untergrund bei der Wahl des geeigneten Equipments berücksichtigt worden Trotz aller Widrigkeiten konnten alle zwölf Windturbinen in sieben Monaten errichtet werden. Zuweilen ging man bei der Kabelverlegung ein wenig zu forsch und rücksichtslos gegenüber der Umwelt vor. Gemeinsam mit der Nationalparkverwaltung Wattenmeer fand man aber auch hierfür noch eine zufriedenstellende Lösung. Oliver Funk von Vattenfall und zugleich Geschäftsführer der DOTI hierzu: „Wir haben gelernt, dass die Errichtungsprozesse und die zum Einsatz kommende Logistik sehr gut aufeinander abgestimmt sein müssen, um erfolgreich bauen zu können. In diesem Punkt haben wir eine sehr steile Lernkurve durchlaufen.“
Im Sommer 2009 kamen nach seinen Worten beispielsweise auf der Baustelle des Offshore-Windparks zu Spitzenzeiten rund 350 Personen sowie bis zu 25 verschiedene Schiffe gleichzeitig zum Einsatz. Darunter befanden sich drei Hubinseln (Jack-up Barges), die direkt von der Werft kommend ihren ersten Offshore-Einsatz beim Windpark "Alpha Ventus" hatten, sowie das größte Kranschiff der Welt, Thialf, das die Jacket-Fundamente für die REpower-Windturbinen in nur sechs Tagen in die Nordsee stellte.
„Letztlich kann man sagen, dass wir zwei Windparks errichtet haben." (DOTI-Geschäftsführer Ralf Lamsbach)
Herausforderung Fundament-Typen
Der Bau des Offshore-Testfeldes war auch von einer Besonderheit begleitet: zum Einsatz kommen zu Testzwecken unterschiedliche Fundament-Typen. Auf ihnen stehen wiederum die Windkraftanlagen. Bereits bei Onshore-Windanlagen an Land kommt diesen Fundamenten eine besondere Bedeutung zu, da bei ihnen in der Vergangenheit bereits Fundament-Risse durch die Schwingungen der Anlagen festgestellt worden sind. Insbesondere bei den rauen Wind- und Witterungsverhältnissen auf See muss daher ein absolut zuverlässiger Fundamenttyp zum Einsatz kommen. Aufschluss darüber sollen die begleitenden Forschungen auf dem Testfeld "Alpha Ventus" bringen. „Letztlich kann man sagen, dass wir zwei Windparks errichtet haben“, sagt hierzu Ralf Lamsbach von Eon in seiner Funktion als DOTI-Geschäftsführer. „Dafür steht bereits jetzt fest, dass uns der Bau wertvolle Erkenntnisse für weitere Offshore-Projekte liefern wird."
Keine Winterpause für Techniker
"Alpha Ventus macht keine Winterpause“, ergänzte Dr. Claus Burkhardt von EWE und ebenfalls DOTI-Geschäftsführer die weitere Planung. „Wenn das Wetter es zulässt, gehen wir raus und schließen die Anlagen an - und wenn es sein muss, auch zu Weihnachten und Silvester“, so Burkhardt. Um die Erreichbarkeit des Windparks sicher zu stellen, haben in den ergangenen Wochen mehr als einhundert Techniker entsprechende Helikopter-Abseiltrainings in Cuxhaven absolviert. Sollte der Seeweg aufgrund von Schlechtwetter nicht zur Verfügung stehen, können die Techniker ab sofort die Windkraftanlagen aus der Luft erreichen.
Die laufenden Arbeiten auf hoher See können auch im Internet verfolgt werden. Von der Forschungsplattform "FINO1 aus zeigt eine Webcam direkt auf das Baufeld.
(Redaktion)
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