28.02.2011  20:34 Uhr

Bullensee-Kreis
Die Energieversorgung der Zukunft im Blick

Oldenburg. Die Zukunft der Energieversorgung stand am vergangenen Wochenende im Mittelpunkt eines Treffens namhafter Fachleute des sog. "Bullensee-Kreises", die auf Initiative von EWE-Chef Werner Brinker in Oldenburg zusammen gekommen waren. Am Freitag der vergangenen Woche gaben sie einen Einblick in ihre Arbeit.

Der Kreis der Experten hatte sich erstmals im Jahr 2005 in der Nähe des Bullensees bei Bremen getroffen und zehn  sog. "Bullensee-Thesen"  zur Energieversorgung der Zukunft entwickelt. Beim jüngsten Treffen in Oldenburg, wurden jene Thesen und ihre Konsequenzen für die Zukunft nun noch einmal diskutiert.

"Die Herausforderungen der Energieversorgung werden weiter zunehmen," so Brinker. Zukünftig werde es notwendig sein, noch mehr Energie zu sparen, die Energieeffizienz deutlich zu steigern und erneurbare Energien noch stärker als bisher auszubauen. Diese drei Bereiche bilden auch den Kern der Bullensee-Thesen. Nach dem Willen der teilnehmenden Fachleute sollen sie als konkrete Handlungsempfehlungen an Wirtschaft, Politik und Wissenschaft verstanden werden. 

Brinker: Wichtige Zukunftsaufgabe

Der Umbau der Energieversorgung auf Basis erneurbarer Energiequellen sei eine der wichtigesten Zukunftsaufgaben, so Brinker bei einer Pressekonferenz am vergangenen Freitag. Ebenfalls mit dabei waren Fachleute aus ganz unterschiedlichen Fachrichtungen.

Prof. Carsten Agert vom Forschungsinstitut Next Energy betonte die Herausforderungen, die sich aus der Dezentralität der künftigen Energieversorgung ergeben. Windräder stehen nicht wie ein Kraftwerk an einem einzigen Ort, sondern sind über das ganze Land veretilt. Ebenso denkbare Kleinkraftwerke anderer Art. Doch auch die bisherigen konventionellen Kraftwerke bildeten bislang schon ein dezentrales Netz. Sie müssen künftig als Schattenkraftwerke eingebunden werden, denn erneuerbare Energien sind an natürlichen Fakoren gebunden. Fehlt es an Wind und Sonne, müssen bislang diese Kraftwerke einspringen. Der Umgang mit den Herausforderungen einer volatilen Stromeinspeisung werde für ein Energienetz der Zukunft von entscheidender Bedeutung sein, betonte EWE-Chef Brinker. Hierzu sei die Entwicklung intelligenter Netze von entscheidender Bedeutung, war sich die Runde am vergangenen Freitag einig.

Mehr Akzeptanz für erneurbaren Energien

Doch auch Bürgerbeteiligung und die Akzeptanz von Begleiterscheinungen der erneuerbaren Energien müssen nach Meinung von Prof. Gert Brunekreeft in Überlegungen für Energienetze der Zukunft mit einfließen. Nicht zuletzt der Widerstand gegen neue Hochspannungstrassen von der Küste ins Binnenland verdeutliche dies. Auch die Bezahlbarkeit von Energie hat der Kreis der Fachleute in seine Überlegungen mit aufgenommen. Ökonom Prof. Christoph Böhringer dämpfte allerdings zu große Hoffungen mit dem Hinweis darauf, dass ein Energieunternehmen kein Sozialdienstleister sein könne. Sozialtarife hatte man beim Bullensee-Kreis jedoch zumindest in seine Überlegungen mit aufgenommen - sie bedeuteten allerdings immer auch Zusatzbürokratie, so ein Teilnehmer der Pressekonferenz.

Lehrpläne an den Schulen müssen umgestellt werden

Prof. Hans Kaminski vom Institut für ökonomische Bildung an der Uni Oldenburg widmete sich bei der Pressekonferenz wiederum einem ganz anderen interessanten Thema: den Verstehenskategorien über erneuerbare Energien beim Menschen. Schließlich hängt Akzeptanz erneuerbarer Energien auch mit einem Grundverständnis der selben zusammen. Mit Blick auf seine im Wesentlichen pädagogisch ausgerichtete Hochschule, hob er hervor, dass entsprechende Lehrinhalte in die Stundendeputate an den Schulen und in Schulbücher integriert werden und auch die Lehrerausbildung entsprechend angepasst werden müsse. Bislang sei noch gar nicht abschätzbar, welche Konsequenzen erneuerbare Energien für die Schulbildung der Zukunft hätten, so der Wissenschaftler über eine weitere interessante Facette des Themas.

Nüchtern fasste zugleich Agert zusammen, was bis 2050 aufgrund absehbarer Milliardeninvestitionen die Herausforderung der erneuerbaren Energien bleibt: am Ende mit einem stabilen, für jedermann bezahlbaren Stromnetz dazustehen.


 

(Red. / oy)

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