Digitales Radio
DAB Plus vor dem Start - mit ungewissen Erfolgsaussichten
Leipzig. Auch wenn der Start des digitalen Radiostandards DAB Plus schon beschlossene Sache ist, sind die Erfolgsausichten für das digitalen Radio in Deutschland noch ungewiss. Zu diesem Schluss kamen Vertreter von privaten und öffentlich-rechtlichen Radioveranstaltern bei einer Diskussionsveranstaltung auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschland in Leipzig.
Eines der Hauptprobleme sahen die Experten in der mangelnden Verbreitung von DAB Plus-fähigen Radiogeräten. Erwin Linnenbach, Sprecher der Geschäftsführung von Regiocast brachte dieses Dilemma auf den Punkt: "Der linke Schuh ist da, der rechte aber nicht". Zwar sei die Verbreitung von DAB Plus-Angeboten technisch kein Problem, doch würden zum Sendestart am 1. August 2011 nur sehr wenige Leute in der Lage sein, diese Angebote auch zu nutzen. Es sei natürlich schwer, den Verbraucher zum Kauf eines DAB Plus-Empfängers zu überreden, wenn er noch gar nicht wisse, was er dann empfangen könne, so Linnenbach.
Auch Willi Steul, der Intendant des Deutschlandradios, hat seine eigenen Erfahrungen in dieser Richtung machen müssen. Bei der Suche nach einem DAB Plus-Radio wurde er erst im dritten Fachgeschäft fündig. Steul: "Ein normaler Kunde hätte sich scheinbar nicht die Mühe wie ich gemacht, sondern im ersten Laden ein UKW-Radio gekauft." Dabei ist Steul von den Vorteilen des DAB Plus-Standards überzeugt. Mit dieser Technologie könnten die Programme des Deutschlandradios, Deutschlandfunk flächendeckend in ganz Deutschland zu empfangen sein. Dadurch erhofft sich Steul, langfristig auf die Verbreitung über Lang- und Mittelwelle verzichten zu können, die laut Steul jährlich 12 Millionen Euro Gebührengelder kostet. Aber auch wenn DAB Plus bundesweit gesendet werde, sei eine Abschaltung der UKW-Sender kein Thema.
Einig waren sich die Experten bei den Vorteilen des DAB Plus-Radios. So sei die Audioqualität zwar besser als beim UKW-Rundfunk, doch ein viel stärkeres Argument pro DAB Plus sei die Vielfalt. Christophe Montague, Geschäftsführer der Radiosenderkette NRJ International Operations sprach in diesem Zusammenhang von einer "Radiowüste" in weiten Teilen Deutschlands. Das sei eine der großen Chancen, die dem digitalen Radio den Durchbruch ermöglichen könnten. Mit DAB Plus könne man eine Vielzahl von neuen Sendern zu den Hörern bringen. Das sei im Übrigen auch der Grund warum es in Frankreich so schwer sei digitales Radio zu etablieren. Dort gebe es eine Vielfalt an UKW-Angeboten, die keine weiteren Sender erforderlich mache, so Montague. Dass es auch erfolgreiches Digitalradio gebe, zeige dagegen die Schweiz. So habe Radio Energy in der Schweiz eine neue UKW-Frequenz erhalten, die eine viel geringere Reichweite habe als vorher. Trotzdem habe sich die Zahl der Hörer nicht verringert, wie eine Analyse gezeigt habe. Für Montague ist klar, dass die Hörer sich neue Wege gesucht haben ihren Sender zu empfangen, unter anderem DAB Plus. Auch Gerd Bauer, Direktor der Landesmedienanstalt Saarland, sieht im Ausland Bewegung. So hätten ihm österreichische Kollegen versichert, wenn DAB Plus in Deutschland ein Erfolg werde so werde Österreich nachziehen.
Größte Probleme im Fachhandel
Die größten Probleme, da waren sich die Podiumsteilnehmer einig, gibt es aber noch beim Fachhandel. Ob bis zum 1. August diese Rückstände aufgeholt werden könne, glaubt auch Linnenbach nicht. Dafür sei die Zeit einfach zu knapp. Das werde dazu führen, dass wohl zum Sendestart nur sehr wenige DAB Plus-Geräte eingeschaltet werden. Doch auf lange Sicht sei er optimistisch. So sei es heute kein Problem ein neues Auto zu kaufen, in dem ein DAB Plus-Radio eingebaut sei, sagte Linnebach unter zustimmendem Nicken von Willi Steul, der genau das laut eigener Aussage vor kurzem getan hat. Der springende Punkt, und da waren sich die Experten einig, sei den Hörern klar zu machen, welche Chancen DAB Plus biete. Wenn das gelinge, schätze er die Chancen gut ein, auch wenn das Engagement bisher eher eine unternehmerische Wette sei, die einiges an Risiko in sich berge. Dem stimmte Montague zu und ergänzte, dass es noch viel mehr dieser risikofreudigen Unternehmer in Europa brauche, damit Neues entstehen könne.
(Redaktion)
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