06.05.2009  01:04 Uhr

Mexiko-Grippe
Land erhöht aus Sorge vor Pandemie kurzfristig Medikamenten-Notfallreserve

Hannover. Niedersachsen erhöht seine Medikamenten-Notfallreserve zur Vorbereitung auf pandemische Krisenszenarien. Die Arzneimittel werden statt für bisher 11 Prozent nun für 20 Prozent der Bevölkerung bevorratet. Nachdem das Landeskabinett bereits letzten Dienstag den Weg dafür geebnet hatte, beschloss es heute, eine kurzfristige Aufstockung um 680.000 auf insgesamt 1,6 Millionen Therapieeinheiten.

Dazu Gesundheitsministerin Mechthild Ross-Luttmann: "Aufgrund der aktuellen Lage kann eine weltweite Ausbreitung des neuen H1N1-Virus nicht ausgeschlossen werden. Deshalb ist jetzt eine Erhöhung der Bevorratungsquote klug und geboten. Damit liegen wir auf einer Linie mit dem Robert Koch-Institut, das den Bundesländern empfiehlt, antivirale Arzneimittel für 20 Prozent der Bevölkerung zu bevorraten."

11 Mio. Euro zusätzliche Kosten durch Arzneimittel-Aufstockung

Die Kosten für die Erhöhung der Bevorratungsquote belaufen sich nach Angaben der Landesregierung auf knapp 11 Millionen Euro. Die erforderlichen Mittel sollen in der kommenden Woche vom Landtag im Rahmen des zweiten Nachtragplans bereitgestellt werden. Nach dem Niedersächsischen Pandemieplan ist vorgesehen, die Arzneimittel im Ernstfall über den normalen Großhandels- und Apothekenvertriebsweg auf ärztliches Rezept zu verteilen. 2006 hatten sich die norddeutschen Bundesländer einschließlich Berlin und Brandenburg darauf verständigt, in einem ersten Schritt die Bevorratungsquote bezogen auf die Bevölkerung auf circa 11 Prozent zu erhöhen.

Schweinegrippe-Infektion: weltweit über 1.000 bestätigte Fälle

In den USA und vor allem in Mexiko sind bisher mehrere hundert Menschen an Influenza erkrankt, die durch ein neuartiges Influenzavirus verursacht wurde. Auch in anderen Staaten wurden erste Fälle bestätigt, so auch in Deutschland. Derzeit gibt es in Deutschland neun bestätigte Fälle, in Europa insgesamt 95 und weltweit 992 (ohne Europa). In Mexiko hat es bislang 22, in den USA einen Todesfall gegeben.

Landesregierung: Folgen einer Pandemie nicht abschätzbar

Die Symptome einer H1N1-Infektion sind ähnlich wie bei saisonaler Influenza, vor allem Fieber, Atemwegsbeschwerden und Gliederschmerzen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat das H1N1-Virus als gesundheitliches Risiko von internationaler Bedeutung eingestuft und die pandemische Warnstufe fünf von sechs ausgerufen, da nach WHO-Einschätzung durch das neue Virus eine weltumspannende Krankheitswelle möglich wäre. Das Ausmaß dieser Erkrankungswelle kann nach Angaben der Niedersächischen Landesregierung nicht vorausgesagt werden. Experten. Antivirale Arzneimittel können bei rechtzeitiger Einnahme nach Erkrankungsbeginn (innerhalb von 48 Stunden) jedoch die Dauer einer Influenzaerkrankung verkürzen und die Schwere der Krankheit sowie eintretende Komplikationen abmildern.


 

(Redaktion)

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