05.05.2009  14:27 Uhr

Experten-Kritik
Industrielle Massentierhaltung begünstigt Pandemien

Mainz. Die staatlichen U.S. National Institutes of Health, das größte klinische Forschungszentrum der Welt, haben bereits 2006 im Hinblick auf mögliche Pandemien vor Massentierhaltung gewarnt. Das berichtete das ARD-Politikmagazin "Report Mainz" in seiner gestrigen Ausgabe. Auch der Biologe Robert G. Wallace warnt vor den Gefahren der Haltung genetisch sehr ähnlicher Tiere auf engstem Raum.

In einer Studie hatten sich Forscher mit der möglichen Rolle von Massentierhaltung auf die Verbreitung von Infektionskrankheiten beschäftigt. Danach warnen die Forscher vor Mutationen, die die nächste Pandemie auslösen könnten. Die Studie weist insbesondere auf die Gefahr einer Vermischung von Schweine- und Vogelgrippeviren hin, wie sie bei dem jetzigen Erreger der Schweinegrippe zu beobachten ist. Wörtlich heißt es: "Weil die Massentierhaltung dazu neigt, eine große Zahl von Tieren auf engem Raum zu konzentrieren, fördert sie die schnelle Übertragung und Vermischung von Viren. (...) Es besteht die Sorge, dass eine Erhöhung der Zahl von Schweineanlagen in der Nachbarschaft zu Geflügelanlagen die Entwicklung der nächsten Pandemie weiter vorantreiben könnte."

Biologe kritisiert genetische Monokulturen

Auch andere US-Forscher sehen einen Zusammenhang zwischen der Entwicklung pandemisch auftretender Viren und Massentierhaltung. Der Biologe Prof. Robert G. Wallace beschäftigt sich seit Jahren mit evolutionärer Epidemiologie. Im Juni wird seine Studie "Farming Human Pathogens" (deutsch: "Die Zucht menschlicher Krankheitserreger") erscheinen.

"Es ist nicht H1N1, über das wir uns Sorgen machen müssen, es ist der Prozess, in dem sich weniger ansteckende Grippeviren zu hochansteckenden entwickeln." (Prof. Robert G. Wallace, University of California)

Im Interview mit "Report Mainz" sagt Robert G. Wallace: "Diese 'Schweine- und Geflügelstätten' sind das, was man als genetische Monokulturen bezeichnet. Das heißt, wenn eine Influenza in solch eine Monokultur hineinkommt, gibt es keinen immunologischen Schutzwall, der sie an der Ausbreitung hindert. (...) Es ist nicht H1N1, über das wir uns Sorgen machen müssen, es ist der Prozess, in dem sich weniger ansteckende Grippeviren zu hochansteckenden entwickeln. Und dieser Prozess wird im wesentlichen vorangetrieben, indem man Hunderttausende Hühner oder Schweine zusammenpfercht."

Welternährungsorganisation: Viren-Evolution im Zeitraffer

Auch die Welternährungsorganisation FAO sieht einen Zusammenhang zwischen der Entstehung für den Menschen gefährlicher Viren und Massentierhaltung. FAO-Veterinärepidemiologe Dr. Joachim Otte hat diese Zusammenhänge bereits 2007 erforscht. Gegenüber "Report Mainz" warnt er vor den möglichen Folgen der Massentierhaltung: "Viren haben eine sehr kurze Generationszeit, und wenn man eine sehr große Zahl von Wirten hat für diese Viren, dann haben sie Evolution im Zeitraffer. Und je mehr Generationen ich habe, desto größer ist natürlich die Wahrscheinlichkeit, dass sich irgendwo eine Mutation durchsetzt, die dann pathogen sein kann für den Menschen."

Bundeswirtschaftsministerium: kein Zusammenhang

Das Bundeslandwirtschaftsministerium, nicht gerade bekannt für die Krankheitserforschung, sieht unterdessen keinen Zusammenhang. Auf Anfrage von "Report Mainz", teilt eine Sprecherin schriftlich mit: "Es handelt sich um eine Humaninfektion, die ohne Kontakt zu Schweinen, von Mensch zu Mensch weitergegeben werden kann." Insofern bestehe, " zwischen der 'Südamerikagrippe' und den großen Schweinemast- oder Zuchtbetrieben kein Zusammenhang."


 

(Redaktion)

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Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © University of California

 


 

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