30.01.2011  14:06 Uhr

Ex-Direktorin Wafaa el-Saddik
Wächter und Polizisten plünderten Schatz des Tutanchamun im Ägyptischen Museum

Berlin. Die langjährige Direktorin des Ägyptischen Museums Wafaa el-Saddik hat das Wachpersonal und Polizisten für die Plünderungen der Kunstsammlung in Kairo verantwortlich gemacht. "Das waren die Wächter des Museums, unsere eigenen Leute". Dies sagte el-Saddik dem in Berlin erscheinenden "Tagesspiegel".

 Einige von den Polizisten hätten offenbar vorher ihre Jacken ausgezogen, "um nicht als Polizisten erkennbar zu sein". Eine zweite Gruppe der Täter sei von hinten über eine Feuerleiter durch die Dachfenster eingestiegen. Die Zerstörungen befänden sich alle im ersten Stockwerk, wo sich auch der Schatz des Tutanchamun befinde, sagte el-Saddik.

"Es sind sehr viele Figuren auf den Boden geworfen und zerstört worden, darunter auch Götterfiguren aus dem Schatz des Tutanchamun". Die Plünderer hätten mehrere pharaonische Schmuckstücke gestohlen. Auch der neue Anbau mit dem großen Andenkengeschäft, der erst im November 2010 eröffnet worden war, sei "total ausgeraubt", sagte el-Saddik. Wafaa el-Saddik war von 2004 bis Ende 2010 Direktorin des Ägyptischen Museums, eine der berühmtesten Antikensammlungen der Welt.

"Jede Bewegung, auch eine extremistische muss sich der Staatsräson beugen." (Israels Botschafter a.D. in Deutschland Avi Primor)

Israel beobachtet Entwicklungen genau

Der frühere israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor, hat derweil im Zusammenhang mit der Revolte in Ägypten vor übertriebenen Ängsten gewarnt. "Jede Bewegung, auch eine extremistische muss sich der Staatsräson beugen, wenn sie einmal an der Macht ist. Und der Frieden mit Israel ist Teil dieser Staatsräson", sagte er dem  "Tagesspiegel am Sonntag". Israel verfolge die Entwicklung in Ägypten trotzdem mit großer Sorge. "Wir sind beunruhigt, weil wir nicht wissen, welche Folgen ein möglicher Sturz des Regimes für den Frieden zwischen Israel und Ägypten hätte". Viele Israelis befürchteten, dass die Fundamentalisten der muslimischen Bruderschaft in Ägypten an die Macht kommen könnten. Diese hielten sich allerdings bislang aus den Unruhen - wie schon zuvor aus anderen politischen Demonstrationen - weitestgehend heraus.


 

(Redaktion / ots)



 


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