16.09.2009  19:12 Uhr

Eon-Kohlekraftwerk
Schilda liegt in Datteln

Essen. Man wird sich an den schildbürgerhaften Gedanken gewöhnen müssen: Nach dem Baustopp für Teile des Eon-Kraftwerks in Datteln (NRW) steht der Abriss des beinahe fertig gestellten 1,2 Milliarden-Euro-Projektes im Raum. Was für ein Signal für den Standort Deutschland: Kraftwerke zu Freizeitparks.

Datteln hat das Zeug zum Symbol für eine Zeitenwende: Wo Behörden, Politik und Industrie den Begriff Flora Fauna Habitat (FFH) bislang für Werbung der Bundesgartenschau gehalten haben, ist diese EU-Richtlinie von nun an real existierende Gesetzgebung. Zwei Jahrzehnte hat es gedauert, bis Richter so urteilten wie das Verwaltungsgericht Münster. Damit hat seltsamerweise niemand gerechnet. Ob FFH, Kyoto-Protokoll oder die Maßgabe in Landesentwicklungsplänen, neue Kraftwerke nur zu erlauben, wenn sie zur Minderung des Kohlendioxid-Ausstoßes beitragen - an allen Ecken und Enden hat die Politik Aktivität entfaltet. Leider unkoordiniert. Einen Plan für die Energieversorgung Deutschlands gibt's nicht. Dafür schlägt jetzt die Bürokratie zu. Deutschland hat sich eingemauert. Schilda liegt in Datteln.

Autor Thomas Wels arbeitet als Redakteur für das Wirtschaftsressort bei der Essener WAZ-Gruppe


 

(Redaktion)

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