19.10.2009  08:09 Uhr

Presse-Querschnitt
Meinungen zum Schweinegrippe-Impfstoff

Oldenburg. Ein breites mediales Echo hat die Ankündigung der Bundesregierung ausgelöst, Bundesbeamte mit einem verträglicheren Impfstoff zu impfen als die Normalbevölkerung, da der Impfstoff "Pandemrix" für Bürger einen umstrittenen Wirkverstärker enthält. Eine Reihe von Medienstimmen befürchtet daher einen Rückgang der Impfbereitschaft in der Bevölkerung. Besonders vertrauenserweckend war demnach auch nicht die Ankündigung, dass man kurzfristig für Schwangere und Kleinkinder nun doch noch den verträglicheren Impfstoff nachproduzieren lassen will.

Neue Osnabrücker Zeitung: Das Anti-Impf-Virus breitet sich aus

Osnabrück. Einiges deutet darauf hin, dass der Schweinegrippevirus harmloser ist als zunächst befürchtet. Doch droht jetzt ein ganz anderer Erreger. Nach den Enthüllungen über die unterschiedlichen Impfstoffe für Normalbürger und Regierende dürfte sich der Anti-Impf-Virus epidemisch ausbreiten. Schon vor dem Skandal waren laut einer Umfrage 39 Prozent der Bundesbürger nicht bereit, sich impfen zu lassen. Jeder Vierte war unentschlossen. Die Tatsache, dass Bundesregierung, Ministerialbeamte und Mitarbeiter von oberen Bundesbehörden offenbar einen verträglicheren und unbedenklicheren Impfstoff als der normale Deutsche bekommen, dürfte jetzt auch die Wankelmütigen zu Impfgegnern machen. Verantwortlich für das Desaster ist das Bundesinnenministerium, das die Extra-Impfungen bestellt hat, ohne diese Entscheidung öffentlich zu machen und für die Bürger nachvollziehbar zu erläutern. Zwar wurde für Kleinkinder und Schwangere jetzt Impfstoff dieser Sorte nachgeordert, doch kann bis zur Lieferung einige Zeit vergehen. Bis dahin sollte das Innenministerium seine Chargen für diese Risikogruppen zur Verfügung stellen. Die Staatsdiener selbst können sich ja an dem einfachen Stoff bedienen. Da er gleichwertig ist, steht dem doch nichts entgegen?

Westdeutsche Zeitung: Fürchterliche Nebenwirkung

Düsseldorf. (Von Martin Vogler) - Schon bisher war nur jeder vierte Deutsche bereit, sich gegen Schweinegrippe impfen zu lassen. Die Menschen wussten zu wenig über Wirksamkeit und Nebenwirkungen. Jetzt sind sie erst recht verunsichert. Denn die Zwei-Klassen-Impfung sorgt nicht nur für unseligen gesellschaftspolitischen Zündstoff, sondern vor allem für eine fürchterliche Nebenwirkung: Das Vertrauen in das Normalbürger-Serum Pandemrix, dessen Auslieferung heute beginnen soll, ist zerstört. Die Behörden können somit ihre Bemühungen, uns von dessen Unbedenklichkeit zu überzeugen, beenden. Schade.

Neue Westfälische: Eigener Impfstoff für Bundesbehörden instinktlos

Bielefeld. (Von Peter Stuckhard) - Instinktlos. So darf man die Extra-Bestellung der Bundesregierung nennen. Die Anmerkung von Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann, in NRW bekämen alle den gleichen Impfstoff, macht es auch nicht besser, weil sie Blödsinn ist. Will Herr Laumann etwa einer schwangeren Frau Pandemrix verabreichen lassen? In der Sache ist Nüchternheit gefragt. Um schnell große Mengen eines Impfstoffs gegen eine Pandemie herstellen zu können, haben GSK und Sanofi wenig Virengrundstoff in eine Impfe gepackt, den aber dafür mit Wirkverstärkern versehen, damit eine ausreichende Immunantwort ausgelöst wird. Der Baxter-Impfstoff ohne Verstärker enthält dafür mehr Virengrundstoff. Warum Bund und Länder sich für Pandemrix entschieden haben, ist eine Frage, der noch nachzugehen sein wird. Mag sein, das tut der erste Untersuchungsausschuss des neuen Bundestages. Der Grundfehler ist aber an anderer, unkontrollierbarer Stelle gemacht worden. Die Weltgesundheitsorganisation hat ziemlich klammheimlich erst durch eine Definitionsänderung die H1N1-Pandemie zu einer solchen gemacht. Mit allen Folgen.

Berliner Morgenpost: Es gibt keine Bürger erster und zweiter Klasse

Berlin. Es ist ein verheerendes Signal - und ein entlarvendes: Die Bundesregierung, Ministerialbeamte und Mitarbeiter von oberen Bundesbehörden bekommen eine Vorzugsbehandlung. Nicht jener Impfstoff wird ihnen injiziert, mit dem sich der normale Bürger vor der Schweinegrippe schützen soll. Nein, sie bekommen stattdessen eine verträglichere Variante des Wirkstoffs. Das böse Wort von der Zwei-Klassen-Medizin drängt sich auf. Und George Orwells Roman "Farm der Tiere", in dem alle gleich sind, "aber manche gleicher". Verheerend ist die Bestellung der 200.000 Extra-Dosen des verträglicheren Impfstoffs für die Impffreude der Deutschen. Schon zuvor hatte nur etwa ein Viertel der Deutschen vor, sich impfen zu lassen. Jetzt lautet die Botschaft: So unbedenklich ist der "normale" Impfstoff nicht, deshalb sollen wichtige Entscheidungsträger einen harmloseren bekommen. Kein ermutigendes Signal für den in seiner Entscheidung schwankenden Bürger. Keine Wirkung ohne Nebenwirkung, sagen Pharmakologen. Doch beides muss in einem vernünftigen Verhältnis zueinander stehen. Bei bedrohlichen Krankheiten sind Mediziner und ihre Patienten geneigt, ein größeres Komplikationsrisiko einzugehen, um einen schweren Gesundheitsschaden abzuwenden. Doch die Schweinegrippe ist unter dem Strich weit harmloser als etwa die saisonale Grippe. An der Ersten starben weltweit bislang rund 3.000 Menschen; sehr viele von ihnen in Ländern mit weit schlechterer Gesundheitsversorgung als Deutschland. Der saisonalen Grippe erliegen jedoch jedes Jahr allein in Deutschland 5.000 bis 20.000 Menschen. Die Schweinegrippe verläuft fast immer mild - dass sich ihre Bedrohlichkeit in den kommenden Monaten ändert, ist wenig wahrscheinlich. Das zeigt die Erfahrung in Australien, wo es während des zu Ende gehenden Südwinters zu keiner gefährlichen wechselseitigen Vermischung von saisonaler und Schweinegrippe kam. Aber zugegeben: Es besteht ein Restrisiko. Dann würde auch eine Impfung mit Nebenwirkungen in neuem Licht erscheinen. Vielleicht hatten Regierung und Gesundheitsbehörden keine andere Wahl, als die Impfstoffentwicklung so schnell wie möglich zu forcieren. Würde das Restrisiko tragische Realität und kein Impfstoff wäre da - man würde die Verantwortlichen selbstverständlich der Verantwortungslosigkeit zeihen. Aber fragen muss man dennoch, ob es angesichts des in Europa fast immer milden Krankheitsverlaufs nicht sinnvoll gewesen wäre, nicht den ersten lieferbaren, sondern den besseren Impfstoff zu bestellen. Die Verträge über 50 Millionen Dosen des Booster-Impfstoffs wurden übereilt geschlossen, jetzt muss die Bundesregierung diese auch abnehmen. Neben den 200.000 Dosen der verträglicheren Variante für Beamte nun noch weitere 50 Millionen für jedermann nachzubestellen, ist illusorisch. Dass sie sich bei den Exklusivverträgen mit zwei Herstellern hat über den Tisch ziehen lassen, das bestätigt die Bundesregierung jetzt indirekt mit ihrer entlarvenden Vorzugsbehandlung.

Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ): Wichtiger als du und ich

Essen. (Von Silke Hoock) - Staatsbedienstete sind schützenswerter als Kinder, Schwangere oder Alte. Wichtiger als du und ich. Die Entscheidung, die Bundesregierung und hohe Beamte mit einem verträglicheren Impfstoff vor der Schweinegrippe zu schützen als den Rest der Bevölkerung, ist Ausdruck einer Zweiklassenmedizin. Diese Entscheidung, die auch Bundeswehrsoldaten mit ins Boot der Privilegierten holt, wird die Impfbereitschaft in der Bevölkerung
weiter senken. Denn sie bezweifelt, dass es tatsächlich einen wirksamen Impfstoff gibt. Sie fürchtet, dass schädliche Langzeitfolgen nicht ausgeschlossen sind. Die Zweifel sind berechtigt. So rät der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin, Michael Kochen, den Hausärzten von der Impfung ab. Die Schäden überwögen. Bekannt ist, dass der für die Massenimpfung vorgesehene Wirkstoff weder bei den unter 3-Jährigen, noch bei Schwangeren überhaupt getestet wurde. Solange es Zweifel an der Unbedenklichkeit eines Impfstoffes gibt, solange sollte dieser nicht benutzt werden. Die Bundesregierung sollte nicht nur bei sich selbst auf Nummer sicher gehen.


 

(Redaktion)

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Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © www.pixelio.de / TommyS / Siepmann-gbr.de

 


 

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1 Kommentar »

09.11.09 22:32 Uhr
mc-fly
Pandemrix
Mein dreijähriger Sohn wurde mit Pandemrix geimpft. Bekam am anderen Tag fieber total schlapp und nach vier Stunde Mittagsschlaf war er wieder Top Fitt. Mein zweiter 7 Jähriger Sohn hat eh ein Imunsystem wie ein Pferd hatt abend leichte Kopfschmerzen. Meine Frau hatte nach der Impfung Durchfall und einen dicken Arm der selbst noch nach vier Tagen dick war. Ich habe mich Freitags um sieben mit dem selben Stoff Impfen gelass 22 uhr hatte warm dann wieder kalt Gelenkschmerzen und Muskelschmerzen ähnlich wie bei einer starken erkältung aber ohne Schnupfen und Husten. War schlapp und müde. Morgens war alles wie weggeblasen. Jedoch Samstags Mittag ging das ganze wieder von vorne los. Nach dem ich ins Bett gegangen bin und Sonntags Morgen wieder aufgestanden bin War alles wieder weg. Heut sind wir Montags Abend 22 Uhr bekomme wieder die gleichen leichten Kopfschmerzen. Und hoffe nicht dass ich in den nächsten Tage zum Zombie Mutiere. Und in drei Wochen sollen wir uns nochmal Imfen lassen???? Ist die Schweinegrippe wirklich so schlimm??? Schei... zwei Klassenmedizin ist wirklich das letzte hier in Deutschland. Geld regiert die Welt. Hätte ich mich in der Woche Impfen lassen wäre ich nich um zwei Tagen Krankenschein rumkomm. Rössler sollte selbst seinen Ars.. hinhalten bei der zwei Klassen Medizin.
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